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2006 und 2007 stellte Gerhard Schneider in der Psyche in zwei Aufsätzen die von ihm so genannte »Aporie-These« vor: Immer wieder, so seine Beobachtung, stoße man bei der Untersuchung psychoanalytischer Begriffe und Konzepte sowie der technischen Handhabung klinischer Situationen auf eine charakteristische, nicht einfach auflösbare Selbst-Widersprüchlichkeit. Diese stelle eine »Aporie« dar, eine Ausweglosigkeit. Ausweglosigkeit sei jedoch zugleich das zentrale Thema der psychoanalytischen Arbeit, die diese Aporie transformiere, insofern sie zusammengehörig Widersprüchliches zu erkennen, zu tolerieren und von einer durch Spaltung aufrechterhaltenen Koexistenz von unvereinbar Widersprüchlichem abzugrenzen vermag (2007, S. 675). Insofern, so Schneider, »ist die Aporetisierung ein Akt der Entdeckung und Aufrechterhaltung der Verbindung von zusammengehörig Widersprüchlichem. Solche Verbindungen von Widersprüchlichem aber sind konstitutive Elemente des Analysierens« (S. 680).
Als »aporetische Konstellation des Analysierens« beschreibt Schneider zunächst eine Situation, »in der sich das Analysieren im klinischen Kontext grundsätzlich in Frage gestellt sieht und es keine methodisch ableitbare Lösung gibt« (2006, S. 900). Die These nun lautet:
»Analysieren als analytische Praxis ist essentiell aporetischer Art und besteht zu einem wesentlichen Teil darin, aporetische Konstellationen in analytischer Weise aufzulösen und zu transformieren - Analysieren heißt, Analysieren möglich zu machen. […] Die für die analytische Technik charakteristische Dauerreflexion ist in der vorgeschlagenen Perspektive als oszillierende Bewegung zwischen De- und Re-Aporetisierungsprozessen rekonstruierbar« (2006).
Dazu ist anzumerken: Bestünde die psychoanalytische Methode nur aus einer Technik, die eindeutige Hinweise für ihre Verwendung mit sich führte, und kennte sie umgekehrt nur Problemsituationen, für die es methodisch ableitbare Lösungen gäbe, dann handelte es sich bereits um eine Zerrform der Psy