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Wenn Psychoanalytiker Kunstwerke interpretieren, müssen sie keineswegs die Methoden, die Theoriesprache und den Jargon der Kunstwissenschaft übernehmen. Sie bewegen sich sowieso in einem Abseits, dem sie nicht entkommen können. Damit sie wenigstens wissen, wo dieses Abseits sichinnerhalb des Wissenschaftsdiskurses so ungefähr befindet, sollten sie mit dem herrschenden Konsens über den Status des Bildes, über den Begriff der Kunst und über das Verhältnis von Kunst und Geschichte ein wenig vertraut sein. In dieser Absicht werden hier zwei sehr unterschiedliche Werke besprochen, deren Schnittmenge jedoch in ihrer differenzierten Bekanntschaft mit der Psychoanalyse und in der Fähigkeit ihrer Autoren besteht, psychoanalytische Erkenntnisfiguren zwanglos in ihr Denken aufzunehmen.
Der wahre Gegenstand des Buches von Regine Prange ist weder seinem Titel noch, beim ersten Hinsehen, seinem Inhaltsverzeichnis zu entnehmen: ein mit hoher Konzentration durchgehaltener Lauf durch die gesamte deutsche und französische Kunstgeschichte der letzten einhundert Jahre, der in eine Fundamentalkritik ihrer herrschenden ideologischen Tendenz mündet. Diese Tendenz sieht Prange in der methodischen Eliminierung des Begriffs Kunst überhaupt und seiner Ersetzung durch einen ahistorischen Bildbegriff, sei es in der semiotischen Gestalt einer Diskurs-Lehre (so im französischen Poststrukturalismus), sei es in der anthropologischen Gestalt einer »universellen Bildwissenschaft« (so bei Hans Belting). Diese Tendenz wurde in Deutschland vorbereitet von Werner Hofmanns Grundlagen der modernen Kunst und Peter Bürgers Theorie der Avantgarde , die, von je unterschiedlichen Positionen herkommend, die Autonomie des Kunstwerks in Frage stellten und eine »Entkunstung der Kunstwissenschaft« (Prange, S. 313) forcierten. Dieser Entgrenzungsimpuls macht tendenziell keinen qualitativen Unterschied mehr zwischen dem Markenlogo, der Reklamewand und dem im Museum ausgestellten Objekt. Der alte, ein Jahrhundert währe