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Als dieses Buch, inzwischen eine Art Standardwerk für die Kinderanalyse und -psychotherapie, 2002 zuerst erschien, war es an der Zeit, daß Kinderpsychotherapeuten und -analytiker sich zu den Themen »Hyperaktivität« und »Aufmerksamkeitsstörung« zu Wort meldeten. Waren sie es doch, in deren Praxen jene Kinder (mit einigem Glück) schließlich landeten, die bereits mit dem Stempel »ADS« oder »HKS« versehen worden waren oder auch schon mit der Modediagnose »ADHS«, die beide Störungsbilder zusammenfaßt.
Wie wenig aussagekräftig, wie ungenau und vieldeutig diese diagnostischen Etiketten sind, zeigte sich damals wie heute bei genauerer Betrachtung. »Das chaotisch Unverständliche bekommt einen angstvermindernden Namen«, bemerkt Frank Dammasch zu der ADHS-Diagnose (S. 259). Böse Zungen meinen, mit ADHS sei zu einem wirkungskräftigen Medikament das passende Krankheitsbild gefunden worden. Zweifellos gibt es die ruhelosen, stets in Bewegung befindlichen Kinder, die Stille nicht aushalten, die von einer Tätigkeit übergangslos zur anderen springen, die Störer, die in ständiger Kampfbereitschaft auf ihren Einsatz zu warten scheinen, die Kämpfer, die in steter Unruhe darauf bedacht sind, einem möglichen Angriff aktiv zuvorzukommen - Kinderpsychotherapeuten kennen sie schon lange.
Gabriele Häußler und Hans Hopf tragen ältere und neuere psychoanalytische Konzepte zusammen, die zum Verstehen dieses Bildes beitragen können. Aktuell hilfreich erscheinen mir insbesondere noch die Konzepte der manischen Abwehr (Klein, Winnicott) und der »Zweithaut-Bildung« (Bick, Anzieu) sowie das Mentalisierungs-konzept von Fonagy und Target, das meines Erachtens eine mit kognitions- und entwicklungspsychologischen Befunden angereicherte und präzisierte Fortführung des klinisch bewährten Container-contained-Modells von Bion darstellt. Daß die Bindungstheorie mit der Kategorie »desorganisierte Bindung« ähnliche Phänomene beschreibt wie die ADHS-Definition, dabei aber die Beziehungserfahrungen des desorganisi