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Nirgendwo sonst im derzeitigen »Markt der Dienstleistungen« entsteht eine annähernd vergleichbare, intensive und lang andauernde Nähe wie in der psychoanalytischen Behandlung zwischen Patient/in und Analytiker/in. Beide sind in einem komplexen Geschehen von Übertragung und Gegenübertragung aufeinander bezogen und richten Erwartungen, Wünsche und auch Ängste auf den jeweils anderen. Zugleich aber ist der psychoanalytischen Behandlung ein Machtgefälleimmanent, das dem Analytiker bzw. der Analytikerin einen deutlichen Definitionsvorteil verschafft: Was gemeinsam untersucht und in Frage gestellt werden soll, ist immer erst einmal das emotionale Erleben des Patienten oder der Patientin. Das Liegen auf der Couch, das den Schutz aufrechter Haltung, »gleicher Augenhöhe« und visueller Kontrolle verwehrt, verbildlicht die tendenziell verletzliche Situation des Patienten. Die Regression in eine infantile Position ist so jenseits neurotischer Dispositionen schon vorprogrammiert. Was aber, wenn das regressive Geschehen entgleist? Was, wenn das der Therapie immanente Machtgefälle zur Befriedigung narzißtischer, erotischer, finanzieller oder aggressiver Wünsche des Therapeuten oder der Therapeutin verleitet? Hier zeigt sich die Notwendigkeit eines stabilen ethischen Bezugsrahmens, der garantiert, daß der in der psychoanalytischen Behandlung gemeinsam erkundete Raum ein Raum der Phantasien bleibt. Eine klar konturierte Berufsethik hat das Bewußtsein für die fatalen Folgen von markanten wie von subtilen Grenzüberschreitungen zu schärfen und die Sensibilität der Behandler/innen für die Auswirkungen ihres therapeutischen Handelns zu steigern.
Das Buch, von der Wiener Analytikerin Sylvia ZwettlerOtte herausgegeben, widmet sich in verschiedenen Beiträgen der Frage nach ethischen Fallstricken im Kontext psychoanalytischer Behandlung. In ihrer einfühlsamen Einführung und im abschließenden Aufsatz zur Bedeutung eines internationalen Bezugsrahmens bei der Entwicklung einer berufsethischen Ha