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Zum dritten Mal nach seiner Gründung im Jahr 2005 richtete das »Interdisziplinäre Psychoanalytische Forum der Universität und der ETH Zürich« (IPF)1 im Oktober 2007 eine öffentliche Tagung aus. Unter dem Titel »Regel und Regulierung: Regeldynamik und Psychodynamik« referierten Wissenschaftler/innen aus unterschiedlichen Disziplinen über ihren jeweiligen Zugriff auf die Phänomene der Normativität und der psychophysischen Selbstregulierung.
Im interdisziplinären Polylog entscheidet sich die Frage, wo die Berührungspunkte liegen zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen und wo es keine Berührungspunkte gibt. Im Fall der Philosophie und der Psychoanalyse sind sie so zahlreich, daß man besser von Berührungsflächen spräche. Und doch gibt es Gegenstände, denen sich die Disziplinen von so unterschiedlicher Seite nähern, daß sie einander, um im geometrischen Bild zu bleiben, bisher kaum tangieren.
Ein solcher Gegenstand ist das Phänomen der Normativität. In philosophischen Theorien des Handelns, die anspruchsvoll die Bedeutung der Normen im Umgang der Menschen miteinander konzeptualisieren, sind Menschen kraft der »normativen Struktur ihres Geistes« zur Selbstverpflichtung auf Regeln befähigt. Dem widerspricht die psychoanalytische Theorie. In Freuds (1923b) einflußreicher Konzeption vom Über-Ich erscheint die Einhaltung von Regeln als eine Entwicklungsleistung, die auf der Identifikation mit dem mächtigen parentalen Agenten und der Internalisierung seiner Vorschriften beruht. Wo der Versuch zur Verbindung beider Positionen nicht gänzlich unterbleibt, erscheinen sie in deutlicher Spannung zueinander.
Andreas Cremonini, Philosophie-Dozent an der Universität Basel, setzte in seinem Vortrag über den »Anderen als Träger von Normen und als Triebobjekt« in luzider Ausführlichkeit die grundlegend verschiedenen Auffassungen vom zwischenmenschlichen Verhältnis in postanalytischer Philosophie und klassischer Psychoanalyse auseinander.