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Ein längst überfälliges Buch! Während die Triebtheorie nicht selten als veraltetet und unnötig zurückgewiesen wird, unternimmt Heinz Müller-Pozzi den spannenden Versuch einer von Lacan und Laplanche gleichermaßen inspirierten Neuformulierung dieser Theorie. Er führt deren Anliegen - »faire travailler Freud« - fort und setzt an die Stelle von Freuds hereditärer, (phylo-)genetischer Grundlegung des Triebs seine Entstehung aus Verdrängungsprozessen, die sich in jeder Lebensgeschichte neu bildenund gleichwohl im Körperlichen verankert sind. Eine solche Revision läßt sich nun nicht auf ein Konzept beschränken, sondern fordert dazu auf, auch andere zentrale Begriffe der Psychoanalyse zu durchdenken und zu modifizieren. So bleibt bei diesem fulminanten Unternehmen im psychoanalytischen Theoriegebäude kaum ein Stein auf dem anderen. Exemplarisch führt uns der Autor diesen Dominoeffekt am Konzept des Ich vor, um von dort die Bedeutung von Identifizierung, Narzißmus und Aggression herauszuarbeiten. Unbestreitbar haben die Erkenntnisse von Ich- und Selbstpsychologie, von Objektbeziehungs- und Bindungstheorie die Psychoanalyse bereichert, sie sind indes nicht unabhängig vom Trieb zu denken bzw. bedeuten ohne diesen Bezug etwas grundsätzlich anderes. Auch das Triebkonzept bleibt von diesen Theoriebildungen nicht unberührt und muß daher im Lichte der neueren psychoanalytischen Entwicklungen revidiert werden.
Die Psychoanalyse erscheint Müller-Pozzi zuallererst in guter Freudscher Tradition als Methode: als Methode