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Das Messie-Syndrom ist mehr als Vermüllung, von deren extremen Auswüchsen mitunter in den Zeitungen zu lesen ist. Der Begriff leitet sich von dem englischen Wort »mess« ab, was so viel bedeutet wie »Wirrwarr«, »Unordnung«, »Durcheinander«, »Schmutz«. Das Messie-Syndrom ist gekennzeichnet durch eine allgemeine Unorganisiertheit, bei der das suchtartige Sammeln von mehr oder weniger »wertvollen« Gegenständen nur einen Aspekt darstellt. Das kann solche Dimensionen annehmen, daß die Wohnung nicht mehr zu betreten ist und eine zweite Wohnung angemietet werden muß, die über kurz oder lang das gleiche Bild bietet. Entmüllung löst Panik aus. Ein weiteres führendes Symptom ist die Unpünktlichkeit.
Der Messie unterwirft sich unbewußt und spontan anderen, er entschuldigt sich, auch wenn es nicht gefragt ist, für sein Zuspätkommen, und dennoch ist es ihm aufgrund eines prozeduralen Verhaltens nicht möglich, die Zeit einzuhalten. Andererseits aber kann er Unterlegenen gegenüber streng und unnachsichtig auftreten, wie er es als Kind selbst erfahren hat. Er scheut sich, sich festzulegen, was für ihn schädliche Fristversäumnisse zur Folge haben kann. Eigene Vorhaben und fremde Aufträge erfüllen Messies, weil sie in allem einen Zwang sehen, oft nur mit großer Überwindung. Dabei kann es durchaus sein, daß sie ihre berufliche Arbeit zuverlässig erledigen, während in ihrem privaten Leben Chaos herrscht. Entsprechend einem tief verwurzelten Gefühl, unfähig zu sein, ist ihr Selbstbewußtsein gering, sie zweifeln an sich. Der Übergang vom Selbstzweifel des Messies zur Depression ist fließend, und tatsächlich kann er an schweren, behandlungsbedürftigen Depressionen, aber auch anderen schwerwiegenden psychischen Störungen leiden.
Dem zentralen psychischen Problem, der Leere, der Sinnlosigkeit und der Vergeblichkeit, begegnen Messies mit ihrem Suchtverhalten, indem sie sammeln, übermäßig essen, zu viel Alkohol konsumieren, zu viel fernsehen, zu viel telefonieren, rauchen oder zu Drogen greifen.