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Die Medien berichten gerade über eine Osnabrücker repräsentative Studie über die »Generation 50 plus«. Eine »verfassungspatriotische Wertewandelkoalition« habe im Grunde die »sexuelle Revolution der 68er« still und leise umgesetzt. Dazu beigetragen haben dürfte auch die damals so genannte Produktivkraft Wissenschaft, hier: Sexualwissenschaft, deren Geschichte in vorliegendem Buch geschrieben steht. Autor, zugleich Zeitzeuge und Akteur derselben ist - in dieser Zeitschrift und durch zahlreiche Veröffentlichungen wohlbekannt - Volkmar Sigusch, Arzt und Soziologe, der im Sinne der Komplexität des Gegenstandes wohl kundigste Sexualwissenschaftler der Gegenwart. 1972 wurde er auf den neu eingerichteten Frankfurter Lehrstuhl für Sexualwissenschaft berufen und setzte 1973 die »Abteilung für Sexualwissenschaft« als Lehr- und Forschungsinstitut durch. Seither sammelte er mit großer Energie, kreativen Mitarbeitern und großzügigen fürderern (z.B. J.P. Reemtsma) einen unerschöpflichen Fundus an Literatur und Materialien aller Art zum Gegenstand Sexualwissenschaft. Der disziplin-bornierte und anti-aufklärerische Zeitgeist spiegelt sich im Wegfall seines Lehrstuhls und des - seit 1996 so genannten - Instituts für Sexualwissenschaft mit der Emeritierung Siguschs 2006. Das müßte auch die institutionalisierte Psychoanalyse beunruhigen.
Der Autor gliedert die Studie in drei Teile: »Anfänge der Sexualwissenschaft«, »Blüte bis zur Zerstörung durch die Nazis« und »Wiederbeginn bis zur Jahrtausendwende«. Die Einleitung ist einer sorgfältigen Definition des Begriffs der Sexualwissenschaft und der Verortung ihrer »Anfänge« gewidmet. Schon hier weist Sigusch auf die grundsätzliche Subjektivität und Relativität von Geschichtsschreibung hin. Ganz im Sinne der Psychoanalyse reflektiert er darüber hinaus, wie sehr er selbst und die Protagonisten der Sexualwissenschaft mehr als bei anderen Wissenschaften von dem durchdrungen sind, was er als »Furor sexualis« bezeichnet. Um so eindrücklicher vermi