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Der Autor zeichnet das psychoanalytische Denken von Alexander Mitscherlich nach, dessen Entwicklung und Verankerung in den psychoanalytischen Strömungen seiner Zeit. Mitscherlich hat die Reorganisation der Psychoanalyse in der Bundesrepublik Deutschland nach 1945 wesentlich mitgeprägt u. a. durch die Zeitschrift Psyche, deren Mitbegründer und Spiritus rector er war. Auf dem Boden der damaligen synoptischen Psychotherapie begann Mitscherlich eine eigenständige psychotherapeutische Anthropologie und einen psychosomatischen Krankheitsbegriff auszuarbeiten, in denen er den romantischen Begriff C. G. Jungs vom Selbst und vom Unbewußen mit Konzepten der Psychoanalyse Freuds, der personalen Psychotherapie Binswangers und Elementen der philosophischen Anthropologie zu verbinden suchte. Nach einem USA-Besuch 1951 und einer Begegnung mit der dortigen Psychoanalyse wendet sich Mitscherlich in den 1950er Jahren zunehmend der Psychoanalyse Freuds zu. Mitscherlich öffnet die Psyche wichtigen Arbeiten der internationalen Psychoanalyse, vor allem der amerikanischen Ich-Psychologie. Sein einjähriger Aufenthalt in London 1958/59 prägt seine psychoanalytische Identität wesentlich, auch wenn er an einer ich-psychologischen Ausrichtung festhält. Er entwickelt ein eigenes Konzept des Ichs, verankert es sozialpsychologisch und in der evolutiven Entwicklung. Im Zentrum steht die Funktion des Ichs als kritisches Bewußtsein und autonomes Denken. Im letzten Teil versucht der Autor das Vergessen von Mitscherlichs psychoanalytischen Arbeiten in der gegenwärtigen Psychoanalyse durch die transgenerationellen Konflikte in der Auseinandersetzung um den Nationalsozialismus zu verstehen und durch ein daraus entstandenes Desinteresse an der Theoriegeschichte der Psychoanalyse in Deutschland nach 1945.