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Die Psychoanalyse tut sich schwer mit dem Erinnern ihrer eigenen Geschichte. Alexander Mitscherlich, der am 20. 9. 2008 100 Jahre alt geworden wäre, ist ein zweifaches Beispiel für die »organisierte Vergeßlichkeit« (P. Sloterdijk) der Analytiker. Zum einem hat er, entgegen einem Vorurteil, weder die historische Selbstaufklärung der Psychoanalyse vorangetrieben noch seine persönliche Lebensgeschichte transparent gemacht. Zum anderen wurde er selbst, ungeachtet seiner herausragenden Verdienste um die Reetablierung der Psychoanalyse, nach seinem Tod von der Zunft nahezu vergessen. Disziplinintern blieb seine Wirkung als Theoretiker gering. Ausschlaggebend für die institutionellen und publizistischen Erfolge seines Engagements war die gelungene Verschmelzung seiner medizinischen, literarischen und politischen Interessen und Intentionen. Mitscherlich verhalf der Psychoanalyse zur öffentlichen Anerkennung, weil er die Qualitäten eines wissenschaftlichen Medienstars besaß. Intellektuelle und Wissenschaftler mit seiner Medienpräsenz sind seit längerem verschwunden. Das hängt mit den Entwicklungen innerhalb der Wissenschaft und mit ihrem veränderten Verhältnis zu den Medien und der Politik zusammen. Psychoanalytische Öffentlichkeitsarbeit in der Tradition Mitscherlichs müßte diesen Entwicklungen in kritischer Rückbesinnung Rechnung tragen.