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Es dürfte nur wenige Prominente der alten Bundesrepublik geben, denen wie Alexander Mitscherlich zu ihrem einhundertsten Geburtstag gleich drei biographische Darstellungen gewidmet wurden - und das gilt nicht nur für die allseits bekannte Prominenz der alten Bundesrepublik, sondern grundsätzlich für alle Gestalten der jüngeren deutschen Geschichte. Das kann in der Sache nur daran liegen, daß sich in dieser einen Lebensgeschichte der Staat und die Gesellschaft, in der dies Leben geführt wurde, in besonderer, herausragender Weise spiegeln. Das scheint bei Leben und Werk Alexander Mitscherlichs der Fall zu sein. Als kritischer Mentor und Sympathisant sowie als eigensinniger Sproß des neuen Nationalismus der Weimarer Republik haben ihn die Historiker Tobias Freimüller und Martin Dehli dargestellt - das Rätsel, wie beides zusammenpaßt, haben sie nicht gelöst. Ergänzend und in gewisser Weise beide Biographien überbietend liegt nun das umfangreiche Buch Timo Hoyers vor, der seine auf penibelster und umfangreichster Quellenkenntnis basierende Studie vorsichtig als »Porträt« bezeichnet. Hoyer, der durch Arbeiten zur antiken Ethik und insbesondere durch eine weit über sein Fach hinaus rezipierte erziehungsphilosophische Arbeit zu Nietzsche bekannt wurde und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Frankfurter Sigmund-Freud-Institut ist, hat sich einem ebenso bescheidenen wie ehrgeizigen Programm verschrieben: im Prolog zu seinem Buch erläutert er, was ihm unter einem Porträt vorschwebt - nämlich das Gegenteil einer statischen Darstellung:
»Alexander Mitscherlich zu porträtieren bedeutet, ihn in Aktion zu zeigen: im gesellschaftlichen Spannungsfeld, bei der Netzwerkarbeit, im Denk-, Lern- und Schreibprozeß; es bedeutet, seine Entwicklung zu verfolgen, seine Erfahrungen zu beschreiben und ihn sowohl als Subjekt wie als Objekt kultureller Wirkungen in den Blick zu nehmen« (S. 12).
Und um seine Intention noch einmal zu verdeutlichen, fügt der Autor daher an, daß es sich bei seiner Arbeit