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Im Titel der vier Werke, die Alexander Mitscherlich berühmt gemacht haben, stehen Negationen: Medizin ohne Menschlichkeit , Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft , Die Unwirtlichkeit unserer Städte , Die Unfähigkeit zu trauern . Das deutet auf den engagiert kritischen Geist des Mannes, der zur Leitfigur der deutschen Nachkriegspsychoanalyse wurde, ja, mit seinen Mentoren und Weggefährten von der »Kritischen Theorie« zu einer Zentralgestalt der »intellektuellen Gründung der Bundesrepublik Deutschland« überhaupt. Doch hinter diesen scheinbar so eindeutigen Negationen stehen Ambivalenzen. Rezeptionsgeschichtlich betrachtet, führen sie auf Paradoxien, von denen die augenfälligste diese ist: »Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft« ist der selber in gewissem Sinn »vaterlose« Mitscherlich für die nachwachsenden Generationen noch einmal zu einer Art von Vaterfigur geworden. Die Studentenbewegung, die sonst gerne Vatermorde beging, entdeckte in ihm und seiner dritten Frau und Ko-Autorin Margarete Mitscherlich-Nielsen sogar so etwas wie ein intellektuelles und politisches Elternpaar.
Doch eben damit mag es zusammenhängen, daß zu Alexander Mitscherlichs hundertstem Geburtstag am 20.9.2008 gleich drei Bücher von Autoren der Enkelgeneration das biographische, geistige und politische Bild zum Teil gravierend umgeschrieben haben: Martin Dehlis Leben als Konflikt (2007), Tobias Freimüllers Gesellschaftsdiagnosen und Psychoanalyse nach Hitler (2007) und als jüngst erschienenes Werk Timo Hoyers Im Getümmel der Welt (2008), dazu die Sammelbände Psychoanalyse und Protest. Alexander Mitscherlich und die Achtundsechziger (Freimüller 2008) und Unterwegs in der vaterlosen Gesellschaft. Zur Sozialpsychologie Alexander Mitscherlichs (Heim & Modena 2008).
Dehli und Freimüller konzentrieren sich, einander ergänzend, auf Mitscherlichs »Prägung vor 1945« beziehungsweise seinen politischen Lebensweg nach Hitler. Hoyers umfassendes Porträt will »an der Grenze zur intellektuellen Biografie« ein P