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Chris Jaenickes Buch ist ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie ein Psychoanalytiker seine Theorie radikal in die Praxis umsetzt. Der Autor ist Amerikaner, praktiziert aber schon seit 20 Jahren in Berlin. Obwohl er fließend deutsch spricht, hat er in seiner Muttersprache geschrieben; Elisabeth Vorspohl hat das Buch-in gewohnter Weise - gut übersetzt. Die amerikanische Fassung erschien erst ein Jahr später bei Jason Aronson (New York).
Als Schüler von Stolorow liegen seine theoretischen Koordinaten in der systemischen Intersubjektivitätstheorie (Stolorow, Atwood, Brandchaft und vor allem Donna Orange). Seine drei Hauptthesen (S. 13) sind:
Das »Risiko der Verbundenheit« von Patient und Analytiker erweist sich unter einem intersubjektiven Blickwinkel als inhärenter und notwendiger Bestandteil der Behandlung. Die wechselseitige Beeinflussung von Analytiker und Analysand ist eine Conditio sine qua non des analytischen Prozesses. Das entspricht unter anderem den Erkenntnissen aus der Säuglingsforschung, die gezeigt hat, wie Mutter und Kind ihr Verhalten innerhalb von Sekunden reziprok beeinflussen. Nach Stern kann die Entstehung, Aufrechterhaltung und Transformation des Selbstgefühls und das Gewahrwerden anderer Personen nur in einem intersubjektiven Kontext verstanden werden;
Die Wahl der psychoanalytischen Methode oder Theorie, in der sich der praktizierende Analytiker zu Hause fühlt, ist nie objektiv, sie hängt unmittelbar mit seiner Subjektivität zusammen;
Man kann daher im Verlauf der analytischen Behandlung der eigenen Subjektivität nicht entkommen. Ist der Beobachter nämlich gleichzeitig der Beobachtete, fällt der »Schutzmantel« um den Therapeuten.
Jaenicke gliedert sein Buch in fünf Kapitel, die alle mit eindrucksvollen Fallvignetten bebildert sind. Im ersten Kapitel, »Die psychoanalytischen Mythen«, setzt sich der Autor mit mehreren eisernen Regeln der Psychoanalyse auseinander, die er als Mythen bezeichnet:
dem Mythos des isolierten Geistes bzw. dem Ich-Ideal der au