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Der Alkestis-Mythos hat unzählige Dichter und Musiker von der Antike bis zur Gegenwart zu den verschiedensten Nachdichtungen und Interpretationen inspiriert. In diesem Mythos geht es um eine Königin, die sich bereit erklärt, an Stelle ihres Gemahls zu sterben. Der Autor der vorliegenden Arbeit interpretiert das Alkestis-Drama von Euripides, das den späteren Versionen als Grundlage dient, und er zeigt, daß sich in dieser Dichtung hinter dem berühmten Motiv des Liebesopfers die vielschichtige Darstellung eines männlichen und eines weiblichen Ödipuskonflikts verbirgt. Es gibt in der griechischen Literatur also neben dem nur wenige Jahre früher aufgeführten König Ödipus von Sophokles einen anderen, neuen Ödipus zu entdecken, und zwar einen, dessen Schicksal keine tragische Wendung nimmt und der sich aus der gefährlichen inzestuösen Verstrickung befreien kann. Diese Befreiung ist allerdings nur möglich dank des mutigen Handelns seiner außergewöhnlichen Frau, die ihm in der überwindung des ödipalen Konflikts in vorbildlicher Weise vorausgeht.