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Leben und Werk Sigmund Freuds haben - wir wissen es ja nicht erst seit dem »Gedenkjahr« 2006 - in vielfältiger Weise in die Alltagskultur des 20. und 21. Jahrhunderts Eingang gefunden. Dies gilt nicht nur für von ihm geprägte oder jedenfalls ihm zugeschriebene Redewendungen wie etwa die »Freudsche Fehlleistung«. Auch der Wiener Nervenarzt und »Seelenzergliederer« höchstpersönlich tritt häufig in den Mythen der Moderne auf, und dies nicht zuletzt in einem Genre, dem offensichtlich eine besondere mythopoetische Kraft innewohnt - im Kriminalroman. Ich möchte mich deshalb zunächst mit einigen Romanen befassen, die Sigmund Freud als handelnde Person in ihre »Story« einbezogen haben, und das in teils mehr, teils weniger unterhaltsamer und überzeugender Art und Weise. Dieser erste Teil meines Aufsatzes ist eher Essay als wissenschaftliche Abhandlung, und ich habe mich bemüht, ihn unterhaltsam zu gestalten. Dann freilich betrete ich wieder das Terrain der Sozialpsychologie und widme mich in gebührender Ernsthaftigkeit der Frage, ob es zwischen der Tätigkeit des Psychoanalytikers und der des Detektivs Gemeinsamkeiten gibt - und wenn ja, worin diese bestehen könnten. Freud selbst hatte sich davon überzeugt gezeigt, daß sich die Arbeitsmethoden der beiden Berufe ähneln; wir wollen sehen, was davon zu halten ist.
Sir Arthur Conan Doyle (1859-1930, geadelt ) war nicht nur ein Zeitgenosse Sigmund Freuds , sondern auch Arzt wie dieser - und wie seine Figur Dr. John H. Watson, der Adept seines berühmten Meisterdetektives Sherlock Holmes. Im Sinne der Horkheimer-Adornoschen These von der »Dialektik der Aufklärung«, der eben auch eine »dunkle Seite« innewohne, kann man die von Doyle 1887 mit A Study in Scarlet eingeleitete beispiellose Karriere der Kriminalliteratur durchaus als »Wiederkehr des Verdrängten« bezeichnen. Denn dieses Verdrängte plagt uns, so Freud, ja gerade dann, wenn es »unerledigt« geblieben ist: etwa so wie das Prob