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Die Autorin entfaltet in ihrem umfassenden und kenntnisreichen Buch ein weites Panorama von metapsychologischen Ansätzen zum Verständnis menschlicher Sexualität in Vergangenheit und Gegenwart. Ausgehend von der Freudschen Sexualtheorie und ganz besonders deren Weiterentwicklung in der Theorie der »Allgemeinen Verführung« von Jean Laplanche schlägt Ilka Quindeau einen großen Bogen von Helene Deutsch und Karen Horney über Melanie Klein und Ernest Jones bis zu Autoren wie Janine Chasseguet-Smirgel, Maria Torok und Otto Kernberg, um schließlich auf zeitgenössische analytische Schriften zu sexueller Entwicklung allgemein und weiblicher Sexualität im besonderen sowie Homosexualität und Transsexualität zu kommen. Wir erhalten so einen außergewöhnlich weit gefaßten Überblick zum Stand der Diskussion über sexuelles Erleben und dessen psychoanalytisches Verständnis von den Anfängen der Psychoanalyse bis heute, und schon deshalb ist das Buch zur Lektüre dringend zu empfehlen.
Ilka Quindeau analysiert die vielen verschiedenen Ansätze aus einer klar formulierten theoretischen Haltung heraus: im Sinne Laplanches versteht sie menschliche Sexualität als Ergebnis einer interpersonellen Verführung des Kindes durch die unbewußten »rätselhaften Botschaften« der Erwachsenen, die das Kind seinerseits »übersetzen« muß. »Den Ursprung menschlicher Sexualität sehe ich demnach im wesentlichen in einer sozialen Situation« (S. 29), schreibt sie im ersten Kapitel mit dem Titel »Verführung, Begehren und Sexualität«. Diese »soziale« Situation - und hier löst sie sich in ihrer Theoretisierung erklärtermaßen vom »breiten Konsens« (S. 33) in der Psychoanalyse (wie übrigens auch von Laplanche) - sei nicht notwendig »traumatisch«, wobei sie allerdings auch wieder schreibt, menschliche Sexualität entstehe notwendig im Konflikt (S. 41). Ebenfalls in Abgrenzung von Freuds Sicht schlägt sie die Einführung des Begriffs »Begehren« statt »Trieb« vor, um auf diese Weise dem interpersonalen Austausch in Abgrenzu