You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Jean Laplanche stellt in seinem Text zunächst die infantile Sexualität der Inzestphantasie gegenüber. Die infantile Sexualität entspringt bei Freud der uranfänglichen Beziehung des Kindes zu seiner Mutter: Aus dem Saugen an der Mutterbrust entsteht die erste autoerotische Tätigkeit, das Daumenlutschen. Inzest und Inzesttabu sind hingegen bei Freud zeitgleich mit dem Ödipuskomplex spätere Phantasieformen infantiler Sexualität, die, so Laplanche, keinen zentralen Platz im Unbewußten beanspruchen können. Er distanziert sich vom familialen Dreieck Vater-Mutter-Kind als Kernstruktur des Unbewußten und favorisiert statt dessen die »anthropologische Grundsituation«. Entscheidend ist demnach nicht das Verwandtschaftsverhältnis zwischen Kleinkind und Pflegepersonen, entscheidend ist der Altersunterschied zwischen einem Erwachsenen mit seiner eigenen Sexualität, zu der die verdrängte infantile Sexualität gehört, und einem Neugeborenen ohne angeborene Sexualtriebe. Es schließen sich Ausführungen über innere und äußere Gründe für den Triebverzicht sowie Thesen über den Ursprung des Sexualverbrechens als die gewaltsamste Form perversen Agierens selbsterlittener polymorph-triebhafter Sexualität an.