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Religion galt bis in die 1980er Jahre als Relikt einer überholten Zeit. Modernisierung und Säkularisierung hatten sie zumal in den westlichen Gesellschaften als obsolet erscheinen lassen. Diese Einschätzung hat sich gewandelt. Heute spricht man wieder von der wachsenden Bedeutung und Ausbreitung der Religion. In den Weltreligionen sind es vor allem orthodoxe und konservative Strömungen, die Zulauf haben. In den postindustrialisierten Gesellschaften mit ihren fortschreitenden Individualisierungstendenzen macht sich in vielen sozialen Milieus eine Religiosität breit, die sich aus den Bindungen an die kirchlichen Gemeinschaften und dogmatischen Glaubensinhalte gelöst hat und synkretistisch ihre Inhalte aus verschiedenen westlichen und östlichen religiösen Traditionen oder aus neuen religiösen Bewegungen entlehnt und zu individuellen Mischungen eines »eigenen Gottes« (Ulrich Beck) ausgestaltet. Religiosität wird zur Spiritualität und dient der Erweiterung subjektiver Erfahrungsdimensionen und der Sinnsuche. Gleichzeitig begegnet uns in Gestalt der Fundamentalismen eine ideologisch fest geschnürte Version von monotheistischer Religion, die mit ihrem religiösen Exklusivitätsanspruch den Anderen zum Ungläubigen stempelt und tendenziell eine Form von Gewalt in sich birgt, für die seit dem 11. September 2001 in den westlichen Gesellschaften eine besondere Sensibilität besteht.
Die beschriebenen Entwicklungen in Gesellschaft und Kultur haben dem Thema »Religion« auch in der Psychoanalyse wieder vermehrt Aufmerksamkeit und Interesse zugeführt, was sich in einer wachsenden Zahl von Publikationen niederschlägt. Diesem Trend kam entgegen, daß mittlerweile innerhalb der psychoanalytischen Theoriebildung fruchtbarere Ansätze zu Auseinandersetzung und Dialog mit der Religion vorliegen. Ich möchte zunächst die Entwicklungslinien grob nachzeichnen, entlang deren sich das psychoanalytische Verständnis der Religion entfaltet hat, um dann anhand des Exklusivitätsanspruchs der monotheistis