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In einer Briefpassage schreibt Max Weber, ein Zeitgenosse Freuds, er sei religiös absolut „unmusikalisch“. Diese Formulierung entwickelt ein Eigenleben als Weber-Zitat. Der Autor untersucht in mehreren Schichten ihren Kontext: die religiöse Mikrowelt des Briefes, Webers darin enthaltene Selbstanalyse, den persönlichen und familiären Hintergrund und Webers religionssoziologische Gegenwartsdiagnose. Er nimmt dessen Perspektive der Modernitätsgeschichte auf und arbeitet an seinem Beispiel die Individualisierung, Internalisierung und Konfliktualisierung von Religion im modernen Subjekt heraus. Er findet einen Bruch zwischen Intel — lektualität und Religiosität in Webers intrapsychischer Welt. Dem korrespondieren in der äußeren Welt die gesellschaftlichen und kulturellen Brüche, die Weber mit seinen Konzepten der Rationalisierung und Entzauberung zu fassen sucht. Heute markiert die Formel von der religiösen (Un-) Musikalität einen Standpunkt „nach“ der Religionskritik und enthält ein Friedensangebot säkular sich Verstehender an Religiöse. Zugleich deutet sie eine Kriegsgefahr an, wenn die Internalisierung der Modernitätsbrüche mißlingt, diese externalisiert werden und zu einem gesellschaftlich-politischen clash of orientations führen.