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„Freud lesen in Goa“, so lautet der programmatische Titel, den Sudhir Kakar seinem neuen Buch gab. Der indische Psychoanalytiker wuchs in zwei Welten auf: Die eine bestand aus der mütterlichen Familie, und sie beeindruckte den jungen Kakar mit ihren sinnlichen Riten und Festen, die in der hinduistischen Tradition tief verwurzelt waren. Die andere war die Welt des Vaters, der sich als Regierungsbeamter der britischen, also westlichen Rationalität und Kultur der Aufklärung verschrieben hatte. Die zauberhaften religiösen Rituale waren aus Sicht des Vaters wenig anderes als „abergläubische Relikte vergangener Epochen […], von denen der moderne Mensch sich zu Recht befreit habe“ (S. 127). Im Zuge des Erwachsenwerdens wandte sich Sudhir Kakar zunehmend dieser rationalistischen Sichtweise zu: Er arbeitete als Ingenieur auf einer Hamburger Schiffswerft, studierte Wirtschaftswissenschaften und kam dann über Erik Erikson zur Psychoanalyse. Seine Ausbildung absolvierte er am Frankfurter Sigmund-Freud-Institut. Nun hinterfragte er mit der Skepsis des Psychoanalytikers die Rituale seiner Kindheit, und es interessierten ihn weniger die apophänen, Göttliches „enthüllenden“ Aspekte des Rituals oder der Spiritualität überhaupt als vielmehr die „verborgenen“ psychischen Motive religiöser Phänomene (S. 128). Der Dialektik dieser Erfahrungen folgend, untersucht Kakar auch in seinem neuen, zur Besprechung vorliegenden Werk die wechselseitige Beziehung zwischen Psychoanalyse und Spiritualität. Die Verbindung zwischen Geist und Natur, Mensch und Universum, Selbst und Nicht-Selbst bezeichnet er als „romantische Position“. Der „rationalistischen Position“ liege jedoch die Differenz zugrunde, welche sozusagen die „schlechte Nachricht“ der Aufklärung sei (S. 7). Natürlich wirbt der Autor für eine Synthese, und so fragt er sich, wie sich eine Verbindung der „romantischen“ und „rationalistischen“ Sichtweise auf die Psychoanalyse auswirken könnte.
Zunächst jedoch beschäftigt sich Kakar mit den Vi