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Im Zentrum des Sammelbandes stehen nicht die immer wieder manifest werdenden Dissonanzen im deutsch-deutschen Verhältnis, sondern die Beschädigungen ostdeutscher Biographien »durch Nazi-Zeit und Krieg, Flucht und Vertreibung, durch stalinistische Repressionen und Stasi-Praxis«, wie dies auch der Klappentext hervorhebt. Angelegen ist dem Band eine Artveröffentlichter Traumabearbeitung, um einer Perseverierung traumatischer Verletzungen durch politisch korrektes Beschweigen zuvorzukommen. Die Autoren stammen - von Mario Erdheim, der mehr wie eine Galionsfigur wirkt, einmal abgesehen - alle aus den neuen Bundesländern, und so eignet dem Band, nolens volens möchte man sagen, eine spezifisch ostdeutsche Perspektive. Dies macht auch seinen Reiz aus, und man bekommt durchaus eine Ahnung von den Gründen für die eingangs erwähnten Dissonanzen. Denn nach dem gemeinsamen abgründigen Fluchtpunkt in der Nazi-Zeit sind die beiden deutschen Staaten unterschiedliche Wege gegangen, und es wäre ein Trugschluß zu glauben, man könnte sich der Identifizierung, und sei es mit einem schlechten Objekt, verweigern, wenn es die Lebenskulisse ausmacht. Daß auf den Vereinigungsrausch ein Kater folgen mußte, ergibt sich schon daraus, worauf Froese (S. 78) zu Recht hinweist, daß sich in der DDR 12 Jahre Nazi-Herrschaft und 40 Jahre DDRRegime addierten.
Einen Eindruck unbeschreiblicher Trostlosigkeit hinterläßt das Titelbild »Die Ausgezeichnete« von Wolfgang Mattheuer, das die Herausgeber in ihrer Einleitung in den Blick nehmen: Verhärmt, physiognomisch fast geschlechtslos und wie erstarrt sitzt hier die Geehrte, vor ihr drei verblühende Tulpen, zwei rote, eine gelbe, wie aus Plastik, ein Abbild der Desillusionierung, hohler Ideale und verlogener Propaganda, eben der erbärmlichen Realität im DDR-Staat.
Auf Spurensuche begibt sich Christoph Seidler zur Beantwortung der Frage, weshalb gerade jetzt die Geschichte sich so machtvoll Gehör verschafft und erst jetzt Wiedergänger und Untote beerdigt werden