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In Beethovens Musik kommt zu Bewußtsein, daß sich das Subjekt nicht voraussetzen kann; es muß sich konstituieren und innere Widersprüche bewältigen. Im Spätwerk tritt an die Stelle des heroisch sich behauptenden Subjekts ein Ich, das mit allen Mitteln versucht, das Du zu erreichen, ohne das es nicht existieren kann. Mit dem Eingeständnis dieser Abhängigkeit ist der metaphysische Horizont, den das neuzeitliche Ich als Subjekt usurpiert hatte, aufgegeben. Die Negation des Subjekts als zentrales Thema der Musik des späten Beethoven wird exemplarisch an einer Stelle aus der Hammerklaviersonate (op. 106) gezeigt. Negation umfaßt hierbei die Pole Verneinung (logische Operation, das Subjekt bleibt erhalten) und Vernichtung (Außerkraftsetzen von Logik, das Subjekt wird zerstört); als Reaktion auf die Vernichtungsdrohung erscheint manifeste Gewalt. Von hier aus werden Beethovens mythologische Leitfiguren Prometheus und Dionysos interpretiert. Sie stehen für die heroische Behauptung des Subjekts in der mittleren Schaffensperiode bzw. für dessen Auflösung im Spätwerk. Das dionysische Prinzip, dem eine Sehnsucht nach Gnade und Erlösung gegenübersteht, versetzt die Musik des späten Beethoven in einen radikal zeitlichen Sog und macht sie zu einer auf Zukunft als Modus bezogenen Kunst.