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Von ihren Anfängen an zeigte sich die Psychoanalyse an Literatur besonders interessiert. Bereits in seiner Korrespondenz mit Fließ war es Freud darum zu tun, in literarischen Werken Spuren des unheimlichen und skandalösen Bereichs des Unbewußten zu entdecken. Kunst und ihre Protagonisten — zweifellos ein Faszinosum für Psychoanalytiker. Unter den Großen ragt hier Lacan heraus, der es weniger darauf anlegte, in dichterischen Werken psychologische Strukturen aufzuweisen, die bereits identifiziert waren, sondern dank der Werke neue Einsichten zu gewinnen. Beispielhaft hier seine großen Analysen von Poes Purloined Letter, Shakespeares Hamlet, dann Sophokles' Antigone, Claudels Coǔfontaine-Trilogie und das Werk von James Joyce.
Einen originellen und zugleich mutigen Weg schlägt jetzt der Heidelberger Psychoanalytiker und Psychotherapeut Rainer Holm-Hadulla ein — originell insofern, als er auf das Stichwort Kreativität fokussiert. Und hier ist der Autor Experte, verdanken wir ihm doch eine überaus fundierte Analyse dieses Begriffes in seinem 2005 erschienenen Buch Kreativität — Konzept und Lebensstil; mutig, weiler sich mit dieser Fragestellung einem Giganten nähert, dem Dichterfürsten Goethe. »Von Goethe kann man sagen«, schreibt Lacan, »daß er, durch seine Inspiration, seine erlebte Gegenwart, das ganze Freudsche Denken außerordentlich durchtränkt, belebt hat«. Wenn ich recht sehe, hat sich indessen Freud, abgesehen von »Eine Kindheitserinnerung aus »Dichtung und Wahrheit««, der Persönlichkeit des Dichters kaum genähert. Auf der anderen Seite ist dies gerade für einen Psychoanalytiker besonders verlockend, ist wohl kaum eine andere Lebensgeschichte von Familienangehörigen, Bekannten und dem Protagonisten selbst so detailliert dokumentiert. Darüber hinaus hat natürlich der Dichter selbst in seinem Werk