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Bernd Hontschik hat ein schmales, aber gewichtiges Buch über die gegenwärtige Lage der Medizingeschrieben. Er beginnt mit der Schilderung seines hektischen Praxisalltags als Chirurg: mit der einen Hand hält er ein Bein mit umgeknicktem Sprunggelenk fest, so daß die Krankenschwester den Gips
anlegen kann, mit der anderen Hand unterschreibt er drei Rezepte, zwei Krankmeldungen und eine Verordnung für Krankengymnastik. Außerdem soll er dringend in den Operationssaal kommen. Dennoch kann er — wie mit einem sechsten Sinn — registrieren, daß die Patientin mit dem umgeknickten Bein beunruhigt nach dem Grund für ihren Sturz sucht; schließlich findet sie heraus, daß sie wegen beruflicher Hektik ihre Kinder bei der Tagesmutter eine Stunde lang vergessen hatte — siegeht beruhigt durch diese Erkenntnis nach Hause. Der Chirurg ist aber nicht nur weiter mit den 60 bis 100 Patienten beschäftigt, die täglich seine Praxis aufsuchen, sondern auch mit tausend Formularen und Anfragen sowie mit einer Unsicherheit seiner wirtschaftlichen Existenz, die aus immer neuen restriktiven Gesundheitsreformen resultiert.
In dieser Ouvertüre klingen bereits alle Hauptthemen an: wie kann der einzelne Arzt dem komplexen sozio-psycho-somatischen Zusammenhang gerecht werden, der sowohl seine eigene Situation als auch die seines Patienten definiert?
Es folgt ein Exkurs in die Politische Ökonomie des Gesundheitswesens. Hontschik widerlegt den Mythos, das Gesundheitswesen verursache ständig wachsende Kosten. Der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttosozialprodukt sei seit Jahrzehnten relativ konstant, das Finanzierungsproblem entstehe vielmehr auf der Einnahmeseite, weil infolge der hohen Dauerarbeitslosigkeit die Einnahmen aus der Sozialversicherung enorm abgenommen haben.
Nachdem er solchermaßen einen politisch-ökonomischen Rahmen abgesteckt hat, plädiert Hontschik — dies ist sein zentrales Anliegen — für die Einführung eines neuen Paradigmas in die Medizin. Gegenwärtig herrsche ein dualistisches Mens