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Der Essay beschäftigt sich mit der Verfassung des zeitgenössischen psychischen Apparats. Er geht von der Prämisse aus, dass Veränderungen in der Erziehung, wie sie seit 1968 zu konstatieren sind, nicht ohne psychostrukturelle Folgen bleiben. Vier Möglichkeiten werden untersucht: Moderne Erziehungspraktiken und Lebensbedingungen führen a) zu einer regressiven Entdifferenzierung der Psyche, b) zu einer progressiven Differenzierung, c) zu einem bloßen Oberflächenwandel, der ihre Tiefenstrukturen unberührt lässt, oder d) zu einem ambivalenten Wandel, der zu größerer intrapsychischer Freiheit, aber auch zu größerer Verletzlichkeit führt. Danach werden mögliche soziale Folgen dieses Wandels behandelt sowie makrosoziale Quellen psychischer Verunsicherungen diskutiert. Außerdem wird der Frage nachgegangen, ob sich nicht nur die Grundstrukturen, sondern auch die Inhalte, mit denen sich die modernisierte Psyche beschäftigt, verändert haben. Den Abschluss bildet die historisch-chronologische Skizze einer psychoanalytischen Sozialcharakterologie.