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Wie weit Borderline-Patienten von Übertragungsdeutungen profitieren können, darüber gibt es in der psychoanalytischen Szenerie bis heute widersprüchliche Meinungen. Für Rudolf (2006) bringen Borderline-Patienten dazu nicht die notwendigen strukturellen Voraussetzungen mit und reagieren auf Übertragungsdeutungen deshalb in der Regel mit einer Verschlechterung ihres Befindens. Dabei bezieht er sich insbesondere auf die kleinianische Psychoanalyse (Rudolf, S. 85ff.). Heinz Weiß, selbst ein hervorragender Kenner der kleinianischen und postkleinianischen Psychoanalyse, kommt in seinem 2009 erschienenen Buch Das Labyrinth der Borderline-Kommunikation zu einem anderen Ergebnis.
Borderline-Patienten verfügen, so seine Kernhypothese, über keinen psychischen Raum, in dem sie ihre emotionalen Erfahrungen symbolisieren und sich als eigenständiges Subjekt erleben können. Sie müssen ihre Wünsche, Gefühle und Ängste deshalb auf dem Weg der projektiven Identifizierung in anderen unterbringen, auf deren konkrete Anwesenheit sie aus diesem Grunde existenziell angewiesen sind. In der psychoanalytischen Situation wird diese Position dem Analytiker zugewiesen. Der Analytiker muss diese Rolle übernehmen und dem Patienten so lange als Container zur Verfügung stehen, bis dieser in der Lage ist, die in ihn projizierten Selbstanteile in modifizierter Form wieder zurückzunehmen. Der psychische Raum, der dazu notwendig ist, muss aber erst geschaffen werden. Dies erfolgt im Rahmen von Übertragungsdeutungen im Hier und Jetzt der therapeutischen Beziehung. Der erste Schritt dazu ist die Wahrnehmung und Durcharbeitung der Gegenübertragung auf Seiten des Analytikers.
»Der Patient projiziert Teile seiner inneren Welt in die analytische Situation. Der Analytiker nimmt die projizierten Elemente in sich auf, wird durch sie in seiner Gegenübertragung affiziert und dadurch in das innere Szenario des Patienten hineingezogen. Seine Aufgabe ist es nun, die entstandene Verwicklung zu registrieren, zu interpret