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Beim Räumen des Hauses ihrer Großeltern entdeckte die Zürcher Psychoanalytikerin Anna Koellreuter einen Brief von Freud an ihre Großmutter, in dem er ihr die Bedingungen für eine Analyse bei ihm mitteilte. Kurz darauf tauchte noch ein Tagebuch zu dieser Analyse bei Freud auf. Es dauerte lange, bis sich Anna Koellreuter dazu entschließen konnte, dieses Tagebuch zu veröffentlichen. 2009 erschien das Buch, in dem die Notizen von Anna G. zu ihrer Analyse bei Freud zusammen mit einer sehr persönlichen Einführung der Herausgeberin und weiteren 16 Beiträgen verschiedener Autoren zu dem Tagebuch und der Analyse bei Freud versammelt sind.
Natürlich knüpften sich große Erwartungen an die Lektüre und das Erscheinen des Tagebuchs. Man erhoffte sich »Einblicke in die Arbeitsweise Freuds«, ganz besonders im Hinblick auf die Frage, »wie Freuds Handhabung der Übertragung wirklich« (S. 33) war, wünschte sich auch Aufklärung darüber, warum Anna G. nicht Psychoanalytikerin wurde, obwohl sie bei Aufnahme der Analyse schon Psychiaterin und Assistenzärztin am Burghölzli in Zürich war, in dem Bleuler und Jung arbeiteten.
Allerdings stellte sich bald heraus, dass das Tagebuch nicht wirklich Antworten auf solche konkreten Fragen geben kann. Es erweist sich nämlich als sehr bruchstückhaft und gibt bestenfalls Ausschnitte aus der Analyse wieder, kann also - worauf Paul Parin schon im ersten der Texte hinweist - nicht als Protokoll einer Analyse angesehen werden. Zudem gibt es keine persönlichen Eindrücke wieder, wie Anna G. die Analyse oder Freud erlebt hat. Es sieht also nicht so aus, als ob die Notizen für jemand Dritten geschrieben worden wären, für eine Nachwelt gar, viel eher dürften sie Stichworte und Hilfe zu Erinnerungen sein, die für Anna G. wichtig waren, dem Leser aber weitgehend unzugänglich bleiben.
Die Enttäuschung darüber ist allen, denen das Tagebuch dann zur Kommentierung vorgelegt wurde, auch anzumerken. Beinahe jeder Beitrag fängt mit einer diesbezüglichen Bemerkung an. Anne-M