You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die tägliche psychoanalytische Arbeit konzentriert sich heute ebenso wie die Psychoanalyse der Anfangsjahre auf die Schicksale dessen, was als unerträglich empfunden wird - seien es Wunsch, Affekt oder Erfahrung. In diesem Beitrag untersucht der Autor die inneren Zustände und die psychische Dynamik von Genozid-Überlebenden und ihren Kindern, die, vom Tode umfangen, weiterzuleben versuchen. Er unterzieht Freuds theoretische Formulierungen über Erinnern und Trauern einer neuerlichen Prüfung, arbeitet André Greens Konzept der »toten Mutter« aus und stellt aktuelle Arbeiten über die Konzepte des »Dritten« und der »Drittheit« vor. Seine Überlegungen orientieren sich durchgängig an der klinischen Erfahrung mit der Funktion der Zeugenschaft, die für das Weiterleben nach massiver Traumatisierung unabdingbar ist. Aspekte all dieser Formen des Wissens finden Berücksichtigung in seinen Reflexionen über Primo Levis Gedicht »Unerledigte Vorgänge« und über unsere immerwährende Aufgabe, in diesem Zeitalter des Genozids und in einer von ungehemmter Destruktivität geprägten Atmosphäre die Verleugnung zu meiden.