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Zur Feier des 85. Geburtstages von Helmut Thomä hatten 2006 Horst Kächele und Friedemann Pfäfflin ein Symposium veranstaltet mit dem Titel dieses Buches. Die Symposiumsbeiträge werden im vorliegenden Band eingeleitet durch einen Text von Robert Michels und kurzen Diskussionsbeiträgen zu diesem. Um es vorwegzunehmen: Der Band weist die Schwächen der allermeisten Sammelbände auf, heterogen in den Beiträgen und unsystematisch im Ertrag zu sein. Doch darin liegt zugleich seine Stärke: die Wichtigkeit des Themas in seinen vielfältigen Aspekten aufzuweisen und Denkanstöße zu geben, die zu vielfältigen Ausarbeitungen anregen könnten. Der Band fordert dazu auf, uns mit der Form zu beschäftigen, in der wir uns über unsere Praxis verständigen, und uns über die Kriterien dafür auseinanderzusetzen, welche Form wir für angemessen, für therapeutisch hochwertig, wissenschaftlich aussagekräftig und moralisch richtig beurteilen. Vielleicht noch mehr als die von Stuhr und Deneke 1993 und Kimmerle 1998 herausgegebenen Bände zu psychoanalytischen Fallgeschichten verweist dieser Band auf die vielfältigen Verzweigungen des Themas.
Behandlungsberichte enthalten mehr als die Krankheitsgeschichte und auch mehr als die Lebensgeschichte von Patienten, die lediglich den Hintergrund und die anfängliche Problemstellung abgeben. Der zentrale Teil von Behandlungsberichten ist dem Geschehen im Therapieverlauf gewidmet, dem sich entwickelnden Verständnis und dem Übertragungs-/Gegenübertragungsge-schehen sowie dem Ausgang der Therapie.
Robert Michels geht davon aus, dass psychoanalytische Theorien auf der Empirie der Behandlungsstunden beruhen, deren Darstellung folglich zentral für die Untermauerung theoretischer Aussagen sei. Umso verwunderter stellt er fest, wie wenig ausführliche Falldarstellungen sich in der psychoanalytischen Literatur finden. Freud hatte in der Dora-Schrift die Komplexität und Länge von Behandlungen als eine Schwierigkeit für das Schreiben von Krankengeschichten angeführt. Die D