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Becketts Warten auf Godot ist bis heute nicht Gegenstand psychoanalytischer Betrachtungen geworden, obwohl es eine Fundgrube für das Studium primärnarzisstischer Störungen ist. Die beiden Hauptfiguren Estragon und Wladimir warten endlos. Die zentrale Bewegung ist auf Godot gerichtet, eine »stillende«, beruhigende und heimatgebende Instanz. Die Suche nach dem primären Objekt durchzieht das ganze Stück, die eigentliche Essenz des Stückes aber ist nicht das Warten, sondern die hartnäckige, unreflektierte, niemals aufgegebene Suche nach diesem haltgebenden, tragenden Objekt. Beckett hat den beiden Hauptfiguren Estragon und Vladimir die Konstellation einer frühen MutterKind-Beziehung verliehen: Estragon ist klein, bedürftig und abhängig; Vladimir kümmert sich — wenn auch ineffizient — um ihn, er deckt ihn zu, singt ihm ein Wiegenlied etc. Beckett zeigt uns frühe Interaktionserfahrungen, die durch multiple »Nichtpassungen« gestört werden. Es fehlen die auffangenden Arme eines guten Objekts, die Fallträume und das reale Fallen der Figuren auf der Bühne zeugen von dem mangelhaften Ich-Rückhalt, einem defekten »skeleton container« (Meltzer) und einem löcherigen Haut-Ich. Das Warten auf Godot hält beide Figuren zusammen. Sie drehen sich im Kreis, an Ort und Stelle, kleben an der Vorstellung, Godot werde sie erlösen. Sowohl Annäherungs- als auch Befreiungs-/ Trennungsversuche misslingen. Auffällig ist die Zirkularität des Stücks: Am Anfang steht das Ende und am Ende wieder der Anfang. Eine endlose Geschichte ohne Raum- und Zeitstruktur.