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Im November 2009 jährte sich Bions Tod zum dreißigsten Mal — höchste Zeit also, sich dem ebenso erratischen, ja zuweilen verstörenden wie einflussreichen Theoretiker der Psychoanalyse, dessen Denken dem psychoanalytischen Diskurs unauslöschlich seinen Stempel aufdrückte, nun auch gleichsam »en bloc in Gestalt einer umfassender angelegten Einführung in sein Lebenswerk zu widmen. In der Vergangenheit gab es bereits einige Darstellungen von Bions Œuvre — der Klassiker unter ihnen zweifellos die Einführung von Grinberg, Sor und Tabak de Bianchedi (Orig. 1973, dt. 1993) — und einige zögerliche Versuche einer biographischen Verknüpfung. Erst seit kurzem scheint nun auch im deutschsprachigen Raum die Zeit für eine breiter angelegte Zusammenschau von Biographie und Werk gekommen zu sein, wie nicht nur das hier zu rezensierende Buch, sondern auch die 2007 von Wolfgang Wiedemann vorgelegte und im Psychosozial-Verlag erschienene Arbeit beweist. Interessant, dass sich auch hier, wie bereits zuvor in der verspäteten Rezeption Melanie Kleins, die »deutsche Zögerlich-keit« in Sachen Bion einmal mehr wiederholt. Betrachtet man die Abstände zwischen den Erstpublikationen und der jeweiligen deutschen Veröffentlichung, so scheint eine systematische Spanne von zwanzig bis dreißig Jahren die hierzulande gültige Inkubationszeit für eine angemessene Rezeption des Bionschen Œuvres zu sein, wobei viele Schriften Bions noch immer einer Übertragung ins Deutsche harren — das für das Verständnis seiner Denkwelt so wichtige Buch Second Thoughts wird nun 2012 in Übersetzung bei Brandes & Apsel erscheinen.
Dieser Befund lässt sich umstandslos auf die profundere Sekundärliteratur übertragen. Die bereits erwähnte programmatische Einführung von Grinberg et al. brauchte zwanzig Jahre, bis sie in die Hände der deutschsprachigen scientific community gelangte. Ein ebenso langes Moratorium liegt mittlerweile auch hinter dem Buch von Gérard Bléandonu, das 1990 in Paris erstveröffentlicht wurde, 1994 in engl