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»Welche Bedeutung hat die Kulturrevolution für die heutige Gesellschaft Chinas?« ist eine der brennendsten, aber innerhalb der sozialwissenschaftlichen Disziplinen sicherlich eine der schwierigsten Fragen der Chinaforschung. Mit der Analyse eigens durchgeführter Interviews von Zeitzeugen und deren Kindern, die im Zentrum von sieben Beiträgen stehen, präsentieren Psychoanalytiker und Sinologen ihre Ergebnisse eines Forschungsprojekts zur transgenerationalen Verarbeitung der chinesischen Kulturrevolution (1966-1976). Diese übersetzten Interviewtranskripte als Quelle erlauben es, sie mit unterschiedlicher Gewichtung für die Argumentation sowie mit verschiedenen Ansätzen in den einzelnen Artikeln separat zu analysieren. Da die Interviews von einem chinesischen Kollegen, der nicht an der späteren Auswertung und Diskussion teilnahm, durchgeführt und übersetzt wurden, bleiben jedoch Interviewsituation und -dynamik weitgehend ausgeblendet.
Nach einer Einleitung stehen zwei sinologische Arbeiten am Anfang: Natascha Gentz beschreibt die unterschiedlichen Narrative der Kulturrevolution und untersucht die Dominanz der staatlichen master narratives in den Interviews. Die philosophisch-geschichtlichen Dimensionen des Schicksals und die Wahrnehmung der Kulturrevolution als Kontingenzerfahrung zeigt Liying Wang auf. Rolf Haubl analysiert die Roten Garden als Jugendbewegung und rekonstruiert die Dynamik der Gewaltexzesse. Der Herausgeber Tomas Plänkers diskutiert die Verarbeitung und Transmission des Traumas in zwei Generationen und ordnet diese Ergebnisse in die bestehenden Traumakonzeptionen und die Forschung zur transgenerationalen Weitergabe ein. Friedrich Markert untersucht und problematisiert diese Weitergabe anhand der Interviews mit einem Vater und mit dessen Sohn. Ein Abdruck der Resolution zur Parteigeschichte von 1981, in der in einer bis heute unveränderten Weise die Kulturrevolution von der Kommunistischen Partei Chinas eingeordnet wird, und eine Chronik ausgewählter Ere