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In den letzten Jahren entwickelte sich das Konzept des embodiment, der Körpererinnerungen und Verkörperung von Erlebnisinhalten, zum Schlüsselparadigma interdisziplinärer Ansätze im Überschneidungsbereich von Philosophie, Soziologie, Psychologie, Psychiatrie und Neurowissenschaften. Weit über herkömmliche Konzepte der Psychosomatik hinausgehend, wird der Körper nicht mehr nur als Zugangsinstanz für Gehirn und Bewusstsein angesehen: es geht um eine tiefer gehende Verknüpfung von Körper, Kognition und Emotion. Dadurch verändert sich unser Verständnis zwischenmenschlicher und sozialer Beziehungen, geraten die Dimensionen des interaktiven Handelns und der Intersubjektivität stärker ins Blickfeld der Konzeptualisierungen von Psychopathologie und Psychotherapie.
Umso mehr stellen sich nun neue Fragen und dementsprechend die Notwendigkeit, über den disziplinären und schulenspezifischen Tellerrand zu schauen - auch für die Psychoanalyse. In Psychoanalyse der Lebensbewegungen, einem von Geißler & Heisterkamp (Wien 2007) herausgegebenen umfassenden Grundlagenwerk zu diesem Thema, hatte eine Reihe von langjährig mit im weitesten Sinne körperorientierter Arbeit erfahrenen Psychoanalytikern ihre Erkenntnisse erstmalig speziell der psychoanalytic community zugänglich gemacht.1 Zu überwinden waren - und bleiben - tiefgreifende Vorbehalte in der etablierten Psychoanalyse, und zwar nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Abstinenz, sondern auch in grundsätzlicher theoretischer und praxeologischer Hinsicht. Insofern tut das vorliegende Buch einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung unbefangener Aufklärung und Perspektivenerweiterung - auch wenn es sich nicht nur an die Psychoanalyse richtet: im Vorwort wird der Anspruch formuliert, z. B. auch Hausärzten durch »Erläuterung der verschiedenen Verfahren und durch die Beschreibung einzelner Krankheitsverläufe […] die Grundprinzipien der körperlichen Psychotherapien sowie ihre Wirkungsweisen erkennbar und verständlich« zu machen.
In seiner