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Lange Zeit konnte die Psychoanalyse als eine entwicklungsorientierte Wissenschaft gelten. Heute ist die Rückwirkung einer psychoanalytisch orientierten Entwicklungsforschung auf die psychoanalytische Theorie, die bis in die 1970er und 1980er Jahre sehr intensiv war, schwächer geworden oder fast ganz erloschen. Erinnert sei nur, wie befruchtend die damals neue Säuglingsforschung auf die psychoanalytische Theorie gewirkt hat und eine neuartige Sicht der Entstehung des Selbst aus dem interaktiven Zusammenspiel von Mutter und Kind vermittelte. Der moderne intersubjektive Ansatz der Psychoanalyse verdankt diesen Forschungen viel. Doch abgesehen davon, dass eine im engeren Sinne ontogenetische Ausrichtung abgelöst worden ist von der Konzentration auf die Gegenwart der therapeutischen Beziehung und der narrativen Konstruktion der Innenwelt des Patienten aus dem Geschehen von Übertragung und Gegenübertragung oder aus der gemeinsamen Konstruktion der seelischen Realität in einer unhintergehbaren intersubjektiven Situation, gründet die Abnahme des Interesses der Psychoanalyse an entwicklungsspezifischen Fragen auch darin, dass sich die Entwicklungspsychologie selbst mehr und mehr aus der Anbindung an psychoanalytische Konzeptualisierungen gelöst und zu einer rein empirischen Forschungsrichtung entwickelt hat, deren Ergebnisse nicht mehr leicht an klinisch-psychoanalytische Konzeptualisierungen zurückzubinden sind. Die Position André Greens, das in der psychoanalytischen Behandlung konstruierte/rekonstruierte Kind methodologisch scharf von dem Kind der empirischen Entwicklungsforschung abzugrenzen, hat sich in ihrer Radikalität zwar nicht durchgesetzt, aber vermutlich auch zur Entfremdung zwischen Entwicklungspsychologie und Psychoanalyse beigetragen. Befördert wurde diese Entfremdung zudem durch neuere allgemeinere wissenschaftliche Erkenntnisse. Die früher in der Psychoanalyse bestimmende genetische Betrachtungsweise hat sich in vielfacher Hinsicht als Irrtum oder als Fehlei