You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Dem italienischen Psychoanalytiker Gherardo Amadei gelang es Ende der 90er Jahre, Louis W. Sander von der Notwendigkeit einer Zusammenstellung bisher verstreuter zentraler Texte zu einer Monographie zu überzeugen, die eine Übersicht über die Breite und wesentlichen Stationen der Entwicklung seines Denkens gibt. Nach der italienischen erschien 2008 die amerikanische Ausgabe, auf der die hier zu besprechende deutsche Fassung basiert. Die Übersetzung dieses Werks war gewiss eine besondere Herausforderung, nicht nur, weil sich die Überlegungen Sanders auch in aktuellen biologischen, physikalischen, mathematischen und systemtheoretischen Diskursen bewegen. Vielmehr auch, weil die Einbeziehung fachübergreifender Diskussionen in die psychoanalytischen und entwicklungspsychologischen Fragestellungen sich in einer Komplexität der Gedankengänge spiegelt, die auf die Satzstrukturen übergreift. Dies überrascht nicht angesichts der sich untergründig durchziehenden, im Spätwerk von Sander dann immer dezidierter gestellten Frage nach den Ursprüngen des Bewusstseins in einem biologisch begründeten Lebensprozess. Dem grundsätzlichen Anliegen Sanders, verschiedene fachspezifische Ansätze zur Erklärung der Evolution vom Einzeller zum bewusstseinsfähigen Menschen zu integrieren, kommt der für die amerikanische Ausgabe gewählte Titel Living Systems, Evolving Consciousness, and the Emerging Person näher. Dagegen benennen die drei Aspekte des deutschen Titels in groben Zügen bereits die Fragestellungen der drei Teile des Buches.
Der erste Teil fasst vier Arbeiten aus den Jahren 1962 bis 1975 zusammen, die die empirischen Beobachtungen von Mutter-Kind-Paaren dokumentieren und die daraus entwickelten Erkenntnisse und Schlussfolgerungen vorstellen. In Langzeitstudien über 36 Monate hatten Sander und sein Team intensive Beobachtungen der frühen Mutter-Kind-Interaktionen vorgenommen und dabei nach und nach die Regelmäßigkeit des Auftretens von zunächst fünf Problemstellungen innerhalb der erste