You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
»Wegrandblumen […]. Eine Gruppe blauer Rapunzel, kugelförmig auf graden Stielen, einzigartig geordnet […]. In einem ästhetisch gekonnt anmutenden Abstand zartgelb traubige Rispenblüten. Daneben ein baumartig verästelter Schwarm, jede einzelne Blüte ungleich […]. Alle aber an einen Hauptstiel gefesselt: ein nicht sehr beachtetes Habichtskraut« (S. 9).
Mit dieser Erinnerung an eine Wanderung beginnt Ulrich Mosers Vorwort zu seiner Theorie der mentalen Abwehrorganisation, die in ihrer stringenten, abstrakten Sprache auf den ersten Blick nur wenig mit der Erfahrung eines Wanderers gemein hat, der sich der Betrachtung der Schönheit der Blumen am Wegrand hingibt. Moser würde einen solchen Gegensatz allerdings nicht akzeptieren. Für ihn führt die Faszination einer Erscheinung früher oder später zwangsläufig zu der Frage nach den Mustern, Strukturen und Systemen, die diese Wirkung hervorrufen. Theorien sind für ihn insofern immer bereits das Produkt von Phantasien, »Blüten, Spiele[n] und Kaskaden, die unser Denken verweben und vernetzen« (S. 19). Psychoanalytiker haben aus seiner Sicht allerdings nicht unbedingt die Gabe, sich die Schönheit einer Theorie zu vergegenwärtigen. Ihr Interesse konzentriert sich vor allem auf die Erforschung der therapeutischen Beziehung. Theorien, die sich wie die Neurosenlehre vergleichend mit den Abwehroperationen bei psychischen Störungen befassen, sind demgegenüber in den Hintergrund getreten. Wenn in diese Theorien zusätzlich Elemente aus anderen Wissenschaften aufgenommen werden, die das psychoanalytische Begriffssystem erweitern und ergänzen, werden sie leicht als Bedrohung der psychoanalytischen Identität erlebt. Für Ulrich Moser sind Fortschritte der Wissenschaft aber immer nur über den Transfer von Methoden und Denkweisen anderer Wissenschaften möglich.
Er hat aus diesem Grund schon lange vor allem die Konzepte der Affektpsychologie und der »Theory of Mind« in sein psychoanalytisches Denken integriert. Nach vielen Jahren Vorarbeit legt e