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Das Massaker an der Columbine-Highschool in Littleton ist Vorbild zahlreicher anderer Schul-Amokläufe geworden - möglicherweise auch für Tim K. in Winnenden. Umso mehr Aufmerksamkeit verdient der von Joachim Gaertner herausgegebene und kommentierte Band. Gaertner hat fast 1000 Seiten dokumentarisches Material über den Columbine-Amoklauf gesichtet und die wichtigsten Dokumente veröffentlicht. Die Dokumente liefern ein prägnantes Bild über die Persönlichkeit der Täter und über das Umfeld, in dem die Tat stattfand. Besondere Bedeutung erhalten diese Dokumente auch vor dem Hintergrund der Diskussion des Amoklaufs von Winnenden in der deutschen Medienöffentlichkeit. Man gewinnt dabei den Eindruck, dass hier, sei es absichtlich oder aus Unkenntnis, ein Bild gezeichnet wurde, das vollständig in die Irre führte - ironischerweise sogar unter Bezugnahme auf das jetzt veröffentlichte Columbine-Material.
Zu beobachten war eine Art rhetorischer Verschiebebahnhof der Schuldzuweisungen. Zuerst kamen die Eltern in Verdacht, dann die Schießvereine, die Computerspiele, die Lehrer und zuguterletzt die Therapeuten. In den USA gab es noch einen weiteren »üblichen Verdächtigen«: Heavy-Metal-Musik.
Auffällig waren eine Reihe von Deutungsmustern, die darauf hinausliefen, die Tat zu irrationalisieren und zu mystifizieren. Im Visier dieser Diskurse standen zumeist auch Forderungen nach »Prävention«. Ich möchte auf diese Muster etwas näher eingehen, weil wir sie auch in Gaertners Kommentar zu dem von ihm herausgegebenen und kommentierten Band finden.
Wird die Tat, sei es die von Winnenden oder die an der Columbine-Highschool, als unvorhersehbarer irrationaler Ausbruch, als »10-Minuten-Schizophrenie« verstanden (so der Jugendpsychiater Lempp), der Täter somit als vorher und nachher »normal« betrachtet, kann es auch keine Prävention geben. Lempps Position wird in der Zeit folgendermaßen wiedergegeben: »Wenn die Täter sich nach ihrer durch Bildmedien begünstigten Entladung nicht selbst das Leben nä