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Die Zahl der Menschen, die in Deutschland und weltweit an Tinnitus-Symptomen leiden, ist alarmierend hoch, ohne dass sich in ihr auch nur annähernd das Ausmaß des individuellen Leids der Betroffenen widerzuspiegeln vermag. Allein in Deutschland geht man von fast drei Millionen Betroffenen aus, bei denen der Tinnitus zu einer chronischen Erkrankung geworden ist, die mit dem Nimbus des »Nicht-Heilbaren« Angst und Verzweiflung verbreitet und oft genug die Lebensfreude zu nehmen droht. Tinnitus aurium ist eine Krankheit der Industrie- und Schwellenländer und hat sich in ihnen zur »Volkskrankheit« ausgewachsen.
Die medizinische Auseinandersetzung mit diesem Phänomen bewegt sich dabei von der reflexhaften Anwendung von »Standardbehandlungen« mit zweifelhafter Wirksamkeit über offen zugegebene Hilflosigkeit bis hin zu technischen Be- oder Überwältigungsmaßnahmen und ist zugleich auffällig vom Fehlen des Versuchs gekennzeichnet, zuzuhören und zu verstehen. Darin begegnen sich die Betroffenen und die Medizinalisierung in der Behandlung des Phänomens auf fatale Weise - und zum Schaden der Betroffenen und der Gesellschaft, bedenkt man die volkswirtschaftlichen Folgen der ausbleibenden Genesung. Das erinnert nicht grundlos an die Situation im Umgang mit den hysterischen Patientinnen zu Zeiten der Entstehung der Psychoanalyse. Dass die Stimme der Psychoanalyse - von vereinzelten Aufsätzen abgesehen - in dieser Auseinandersetzung bisher fehlte, war umso bedauerlicher, als die der Symptomatik zugrundeliegenden Leiden tatsächlich auf Zusammenhänge verweisen, die vermutlich nur durch eine tiefenpsychologische Betrachtung versteh- und behandelbar werden können.
Mit dem Buch von Michael Tillmann ist nun umfassend, in reicher klinischer Erfahrung gründend und unter überzeugender Einbeziehung der gesellschaftlichen Dimension, der Grundstein für eine Betrachtung gelegt, an die alle tiefenpsychologischen Richtungen, einschließlich der Künstlerischen Therapien und der Körpertherapien, anknüp