You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Dieses neu aufgelegte und vom Autor erweiterte Buch wurde mir zugeschickt, als ich gerade heftigen Attacken von Schläfrigkeit ausgesetzt war in der Analyse eines 12-jährigen Jungen. Vor und nach den Stunden fühlte ich mich wach, aber sobald er zu spielen anfing, überfiel mich eine massive Müdigkeit. Obwohl ich ihn mag (die Therapie dauert noch an) und immer neugierig war auf sein wunderbar symbolisierendes Spiel und es anschließend bedauerte, so wenig davon mitbekommen zu haben, konnte ich mich einer rätselhaften narkotisierenden Wirkung nicht entziehen.
Ralf Zwiebel versteht die Müdigkeitsreaktion des Analytikers als trotz ihrer monotonen Erscheinung hochkomplexes Phänomen. Um es zu fassen, unterscheidet er zwischen dem Beitrag des Patienten, des Analytikers und der analytischen Situation, eine Unterscheidung, die er selbst als künstlich bezeichnet. Denn die Müdigkeitsreaktion ist für ihn sowohl ein Indikator für die analytische Beziehung, für eine Dysbalance im bipolaren Modell der Arbeitsweise des Inneren Analytikers (wie er sie u. a. in Von der Angst, Psychoanalytiker zu sein, 2007 ebenfalls bei Klett-Cotta erschienen, beschrieben hat), als auch ein Versuch, sich von einer Konfusion in der Analytiker-Patient-Beziehung zu distanzieren, einer Beziehung, in der das »Ausbalancieren von notwendiger, konkreter Präsenz und entwicklungsförderndem Allein-Lassen […] oftmals keine leichte Aufgabe« für den Analytiker ist (S. 192).
Ich möchte aus der Fülle der vom Autor dargestellten Aspekte einen Gedankengang herausgreifen, vielleicht weil ich mich darin mit meinem Patienten am ehesten wiederfinden konnte: das Zusammentreffen zweier narzisstischer Persönlichkeitskomponenten, das die Müdigkeit beim Analytiker auslöst. Zwiebel zeigt, wie in einer »Form von Selbstbezogenheit als Schutz gegen eine wirklich abhängige Beziehung […] Gefühle von Ohnmacht, Wut, Trauer und Schmerz als Folge einer traumatischen Erfahrung (der Trennung oder Verlassenheit, des Versagens der elterlichen »c