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Eine Kardinalfrage für die neuere Geschichte der Psychoanalyse in Deutschland ist die nach Ausmaß, Grenzen und Tragweite ihrer Kontinuität zur Hitlerzeit und darüber hinweg. Sie wurde vor einigen Jahren wieder besonders akut, als aufgezeigt wurde, dass Alexander Mitscherlich nicht nur energisch die Anbindung der bundesdeutschen Psychoanalyse an die internationale Freud-Schule betrieb, sondern selbst im konservativ-revolutionären Denken der Zwischenkriegsjahre verwurzelt war, was seinen intellektuellen Habitus bis zuletzt mitbestimmte. Die vorliegende Biographie über seinen zeitweiligen Freund und Weggefährten Felix Schottlaender gibt neuen Anlass, über den Verlauf und die Bedeutung solcher Wurzelfäden nachzudenken.
Schottlaender stammte aus einer baltischen Familie mit jüdischen Einsprengseln, wuchs in Heidelberg und Wien auf und beendete sein Studium mit einer philosophischen Dissertation. Er war zunächst als Archivar und Bibliothekar für das Deutsche Auslandsinstitut in Stuttgart tätig und setzte sich publizistisch »für die Erhaltung des Deutschtums« ein (S. 58). Als er in einer Psychoanalyse bei Heinrich Meng von einer Bindehautentzündung geheilt wurde, beschloss er, Analytiker zu werden. Im Herbst 1930 ging er nach Wien, wo er bei Eduard Bibring (der zwei Jahre jünger war als er) eine Lehranalyse machte; 1932 wurde er in die Wiener Psychoanalytische Vereinigung aufgenommen. Schottlaender bezeugt damit, was sich auch sonst beobachten lässt, dass man von Süddeutschland aus die psychoanalytische Ausbildung eher in Wien als in Berlin suchte.
Zurückgekehrt, widmete sich Schottlaender dem Aufbau seiner Praxis. Er schloss sich der Stuttgarter psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft um Gustav Hans Graber an, wechselte im Frühjahr 1934 in die Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft über und spielte eine maßgebliche Rolle in der 1937/38 eingerichteten südwestdeutschen Zweigstelle des »Göring-Instituts«, bis er wegen seiner teiljüdischen Herkunft Lehr- und Publikationsverbot