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Julia Kristeva beschreibt Leben und Werk Melanie Kleins, einer »Hauptfigur der Psychoanalyse, an der man nicht mehr vorbeikommt« (S. 10), folgt »geduldig der Entwicklung und Kristallisierung der Besonderheiten« (S. 18) von Kleins Theorie und Praxis, beschreibt sie erfrischend zügig, dabei gleichzeitig umfassend, wenn auch nicht so detailliert wie Phyllis Grosskurth in ihrer 1986 erschienenen, mittlerweile als Standardwerk geltenden Biographie. Kristeva legt den Schwerpunkt mehr auf Melanie Kleins klinische Praxis und ihre Theorie, die nach »schmerzhaften Kontroversen die fruchtbarsten Folgen [bewirkten], deren sich die Psychoanalyse, besonders die britische, rühmen kann« (S. 15).
Kapitel für Kapitel beschreibt Kristeva Kleins Entwicklung von der Einführung der Spieltechnik in der Kinderanalyse über die Entdeckung der Bedeutung der Objektbeziehungen für die kindliche Entwicklung, den Todestrieb und die Angst, den archaischen Ödipus und das frühe Über-Ich, die primäre Weiblichkeitsphase bis zur weiblichen Sexualität und zum Elternpaar als das »erste psychoanalytische Modell der auf dem Paar gründenden Sexuierung« (S. 126). So entsteht das Panorama des geängstigten, aggressiven Säuglings, das sich fundamental unterscheidet von Freuds Vorstellung des ruhigen, meist spannungslosen Kleinkindes: ein Unterschied, der ins Auge fällt, auf den Kristeva aber nicht eingeht.
Kristeva streift die wichtigsten Weiterentwicklungen der Kleinschen Theorie in den Theorien über den Autismus sowie deren Rezeption in der Linken und bei Feministinnen. Ihre zentrale These besagt, dass Melanie Klein Freuds Theorie, in der er sich auf die Kastration und die Funktion des Vaters konzentriert habe, durch die Analyse der mütterlichen Funktion ergänzt. Kleins Theorie habe dabei der »Wiederkehr des Verdrängten« gedient, da die Mutter bei Freud nur geringe Bedeutung habe, die Bedeutung des Weiblichen verdrängt sei. Sie habe dadurch der Theorie und der Klinik des Unbewussten eine neue Orientierung gegeb