You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Filme Michael Hanekes besitzen eine hohe Affinität zur Psychoanalyse. Wie kaum ein anderer Regisseur versteht er es, die Wirkungsweise des Unbewussten spürbar zu machen. Seine Filme gehen im buchstäblichen Sinne unter die Haut, durchbrechen den Reizschutz und konfrontieren die Zuschauer mit sich selbst, mit den eigenen verdrängten Strebungen.1
Michael Haneke ist 1942 in München geboren und im ländlich-voralpinen Wiener Neustadt aufgewachsen. Sein Studium der Philosophie, Psychologie und Theaterwissenschaften brach er vorzeitig ab, um beim Südwestfunk als Redakteur und Dramaturg zu arbeiten. Nach kleineren Theaterinszenierungen und Fernsehspielen entstand 1989 sein erster Kinofilm mit dem Titel Der siebte Kontinent. Der internationale Durchbruch als Filmemacher gelang ihm im Jahr 2000 mit der Verfilmung von Elfriede Jelineks Roman Die Klavierspielerin.
Das zentrale Thema in Hanekes Filmen besteht in der Visualisierung von Gewaltzusammenhängen. Im Film Bennys Video geht es um die kaltblütige Ermordung einer Schülerin durch einen Gleichaltrigen, der die Tat mit seiner Kamera aufzeichnet. In Funny Games endet ein harmloser Familienurlaub in einem brutalen Blutbad. Die Klavierspielerin handelt von Terror und Selbstverstümmelung und in Caché untersucht Haneke die unsichtbare Gewalt konstanter Bedrohung.
Das weiße Band (2009) mit dem Untertitel Eine deutsche Kindergeschichte wurde mehrfach preisgekrönt und mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet. Es ist ein filmischer Diskurs über Autorität, Disziplinierung und ihre Folgen. Im Namen der Verantwortung für die Gemeinschaft wird ein Klima der Angst und der Einschüchterung geschaffen, das den Boden für neue Gewalt bereitet.