You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
»Es ist uns wichtig, anhand der von uns angeführten Beispiele darzustellen, dass die Geschichte der Psychoanalyse mit der Übertragungsliebe beginnt, und sie sich als elementare, wichtige und unvermeidliche Konstante im psychoanalytischen Prozess zeigt. - Es ist der jeweilige Umgang mit der Liebe in der psychoanalytischen Beziehung, der zu katastrophalen Folgen führen kann und führt und seinen Niederschlag in verschiedenen theoretischen Konzepten findet«, so Krutzenbichler & Essers (S. 79).
Für Freud war jede Psychoanalyse ein Versuch, verdrängte Liebe zu befreien. Aber in dieser Befreiung wird Liebe übertragen und neu entwickelt. Wie kann und darf sich Liebe innerhalb des psychoanalytischen Settings jeweils auf beiden Seiten entfalten? Dieser Frage gehen die beiden Autoren nach. Die Liebe und das Begehren bringen die zwischenmenschlichen Beziehungen von jeher in ein aufregendes, erregendes, lebendiges Chaos. Zumindest für eine gewisse Zeit. Wie jedoch, wenn sich diese allzu menschlichen Übertragungen in der Psychoanalyse erneut wiederholen? Darüber schrieben H. Sebastian Krutzenbichler und Hans Essers bereits 1991 unter dem Titel Muß denn Liebe Sünde sein? Über das Begehren des Analytikers. 2002 erschien eine Überarbeitung mit neuem Untertitel: Zur Psychoanalyse der Übertragungs- und Gegenübertragungsliebe. 2010 wurde das Buch mit einigen Korrekturen und einem nüchternerem Titel, aus dem der Begriff der Gegenübertragung verschwunden ist, neu aufgelegt. Eine nackte Frau von hinten, von der man den Kopf jedoch nicht mehr sieht, auf einer Couch liegend, ziert das Cover.1 Die Verführung bleibt also weiblich. Damit ist die Richtung vorgegeben.
»Verleumdet und von der Liebe, mit der wir operieren, versengt zu werden, das sind unsere Berufsgefahren, derentwegen wir den Beruf wirklich nicht aufgeben werden« (Freud an Jung, 9. 3. 1909). In den »Bemerkungen über die Übertragungsliebe« schrieb Freud, dass die »einzigen wirklich ernsthaften Schwierigkeiten bei der Handhabung der