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Das Leben und Werk Lou Andreas-Salomés kreiste um drei männliche Gestirne: Nietzsche, Rilke und Freud. Allerdings könnte man mit mindestens gleicher Berechtigung das Umgekehrte behaupten: Leben und Werk von Nietzsche, Rilke und Freud kreisten um Lou Andreas-Salomé.
1882, als Andreas-Salomé ihrer ersten männlichen Muse, Friedrich Nietzsche, begegnete, war dieser 37, sie 21 Jahre alt. Nietzsche nannte die junge Frau sein » Geschwistergehirn« und erblickte in ihr eine Personifikation seiner eigenen Philosophie: Für ihn stand Andreas-Salomé »jenseits von Gut und Böse«. Gleich seiner Figur des »Übermenschen« wirkte sie »stark, fast gewissenlos«, »instinktsicher und schön« (Decker, S. 96). Seiner Vertrauten, der Frauenrechtlerin Malwida von Meysenburg, schrieb Nietzsche: »Ich fand eigentlich noch niemals einen solchen naturwüchsigen […], durch das Bewußtsein nicht gebrochenen Egoism« wie in der Person Andreas-Salomés. Deren Ichstärke schien seine später in Ecce homo formulierte Aussage zu widerlegen, dass es gar keinen »Egoismus« geben könne, weil das »ego selbst bloß ein »höherer Schwindel«, ein »Ideal« ist […]. Es gibt weder egoistische noch unegoistische Handlungen: beide Begriffe sind psychologischer Widersinn« (Nietzsche 1955 [1908], S. 1105). Andreas-Salomés Willen zum Ich, der »seelische Grausamkeit« oder »fehlendes Talent, andere zu verschonen«, nicht ausschloss (Decker, S. 72), manifestierte sich als »unbedingte Hingabe« an »die