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Bezugnehmend auf Freuds Arbeit über die »Vergänglichkeit« (1916a) werden Utopien und Dystopien als Orte des seelischen Rückzugs beschrieben. Sie werden aufgesucht, um Gefühlen von Trauer und Verlust, aber auch bedrohlicher Angst und unerträglicher Schuld aus dem Weg zu gehen. Im Gegensatz zu der potentiell veränderungswirksamen Kraft utopischer Phantasien ist hier ein Rückzugszustand gemeint, an dem die Zeit stillsteht und keine Entwicklung mehr stattfindet. Nach einer kurzen Einführung zur Geschichte von Utopien und Dystopien in Literatur und Philosophie wird klinisches Material aus vier psychoanalytischen Behandlungen präsentiert. Dabei wird zwischen Utopien und Dystopien unterschieden, die entweder in die Zukunft oder in die Vergangenheit gerichtet sind. Gemeinsam ist ihnen, dass sie in der Behandlung zu lange anhaltenden Phasen des Stillstands führen, die Analytiker und Patient in eine zeitlose Welt entführen. Häufig wird die gegenwärtige Wirklichkeit entwertet und die Übertragungssituation in einen zeitlosen Zustand transformiert, der als »ewiges Warten«, »Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies«, »allwissende Verzweiflung« oder »Rückkehr in die einstige Hölle« die Atmosphäre der Behandlung nachhaltig prägt. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen diesen Zuständen werden anhand klinischer Sequenzen im Einzelnen dargestellt. Abschließend wird auf die speziellen behandlungstechnischen Probleme hingewiesen, die sich aus diesem Eintauchen in Zeitlosigkeit ergeben.