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»Eltern [sprechen] ihren Kindern Seele zu, statten sie mit Seele aus« - und so tun es Psychotherapeuten mit ihren Patienten, ließe sich dieses zentrale Zitat aus dem jüngsten Buch von Brigitte Boothe, schlank betitelt mit Das Narrativ, ergänzen. »Seelisches Leben ist ein Vermögen auf Kredit« (S. 175).
Was poetisch das Zusprechen von Seele und, (beziehungs-)ökonomischer formuliert, das Kreditieren seelischen Vermögens ermöglicht, ist eben dieses viel zitierte, bunte, in unzähligen Facetten zu beschreibende und zu systematisierende Narrativ. Die Erzählung und die Arbeit mit Erzählungen bilden den Anfang und säumen den Weg psychoanalytischer Erkundung psychischen Lebens, sei es in der Form großer Literatur, in Fallbeschreibungen der Psychoanalyse, in Traumnarrativen von Patienten oder in biographischen Erinnerungen. Nach Jahrzehnten intensiver klinischer Narrationsforschung und der Entwicklung eines Forschungsinstrumentes für die empirische Analyse von Erzählungen von Patienten in den unterschiedlichsten therapeutischen Kontexten, »Erzählanalyse Jakob« genannt, ist es jetzt der Autorin gelungen, die typologischen Bausteine einer psychoanalytisch fundierten Erzählgestaltung nach dem Modell von Wunsch - Angst - Abwehr im Aufriss darzulegen. Die Wunscherfüllungsfiguren in ihrem Kontrast zu katastrophischen Versagungs-mustern bilden dabei das Spannungs- und durchaus auch unbewusste Konfliktfeld,