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Keiner der großen soziologischen Denker hat die Schicksale der menschlichen Psyche so bis in den Kern seiner Theoriebildung integriert wie Norbert Elias. Er selbst gewährt in seinem Œuvre nur knappe Einblicke in das eigene Seelenleben. Dies ist vor allem in Band 17 seiner Gesammelten Schriften, Autobiographisches und Interviews, der Fall. Erkennbar wird vielfache Traumati-sierung: frühkindliche, als Soldat im 1. Weltkrieg, angesichts der Ermordung der Mutter in Auschwitz, nach dem 2. Weltkrieg beim Tod seiner Psychoanalytikerin. Und dann taucht da die »Telephonphantasie« auf: »Ich spreche immer nachdrücklicher in einen Telephonhörer«, so erzählt er, »aber am anderen Ende der Leitung sagt eine Stimme immer wieder, ich kann Sie nicht verstehen, sprechen Sie lauter!« In letzter Zeit, so fügt er im hohen Alter an, antworte die Stimme, dass man ihn nun ein wenig hören könne.
Zu den letzten leidenschaftlichen Anstrengungen dieses Forscherlebens gehörte 1990 die explizite Auseinandersetzung mit Freuds Konzept der Gesellschaft; mehr als ein halbes Jahrhundert nachdem mit den Bänden Über den Prozeß der Zivilisation die implizite Abarbeitung an Freud erschienen war. Elias hatte sein Buch 1936 folgerichtig an Freud geschickt und dessen Antwortpostkarte zeitlebens aufbewahrt. Die hinterlassenen Fragmente der expliziten Wiederaufnahme dieses Lebensgesprächs mit Freud waren bekannt, galten jedoch als unpublizierbar. Den französischen Forschern Bernard Lahire und Marc Joly ist es nun gelungen, aus den Fragmenten einen schlüssigen Text zu destillieren. Sie haben die am Lebensende wieder schwächer werdende Stimme eines bedeutenden Autors hörbar gemacht und in einen Kontext gestellt.
Das Buch, welches wir ihnen verdanken, schickt dem erwähnten Haupttext in chronologischer Folge einige weitere bisher unveröffentlichte oder wenig bekannte kürzere Arbeiten voraus, die alle Elias' Schlüsselthema einer Synthese von Soziologie und Psychologie zum Gegenstand haben.
Einleitend findet sich ein T