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Die Psychoanalyse, mutmaßte Freud 1927 in einem Brief an Ossipow, habe »eine gewisse liberale Einstellung« zur gesellschaftlichen Voraussetzung, um sich entwickeln zu können (zit. nach Kadyrov, S. 211). Nun hat es Psychoanalyse aber auch in totalitären und autoritären Regimen gegeben, und es ist - konstatiert Ash in seiner Hinführung zum Thema - nicht mehr möglich, »grundsätzlich und ein für allemal von der Vereinbarkeit oder Unvereinbarkeit »der« Psychoanalyse mit Diktaturen zu sprechen« (S. 19). Dieser Tatsache sei mit einfachen Erklärungen nicht beizukommen, schon gar nicht mit »konventionellen Dualismen« (hie Wissenschaft, da Politik; hie Geist, da Barbarei; hie Individuum, da Gesellschaft). Eine der Besonderheiten des vorliegenden Bandes, der das Ergebnis einer Tagung und eines laufenden Forschungsprojektes ist, liegt denn auch darin, keine wohlfeilen Antworten zu präsentieren, sondern, gleichsam vor den Augen des Lesers, überhaupt erst einmal die Fragen in den Blick geraten zu lassen. Und die könnten fundamentaler kaum sein: »Wie war das möglich? War das in jedem Fall noch Psychoanalyse? Wo lagen die Grenzen zur Abschaffung bzw. zur Selbstaufgabe?« (S. 15)
Die 15 Beiträge beleuchten den Problemkomplex aus internationaler Perspektive und über die Jahre 1933-1945 hinweg bis heute. Der Fokus liegt zunächst