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Wenn ein langjähriger Redakteur der London Review of Books ein Buch schreibt, sind die Erwartungen hoch. Wenn das Buch dann im Titel den Namen »Eitingon« führt, übt es auf psychoanalytische Leser eine magnetische Wirkung aus. Zudem ist die Autorin Mary-Kay Wilmers mit den Eitingons verwandt, woraus man sich neue Einsichten verspricht.
Anders als erwartet ist der Einstieg in diese spektakuläre Geschichte jedoch harmlos und konventionell. Wilmers verwendet das alte Verfahren der Herausgeberfiktion, mit dem sie die Briefe einer Tante einbezieht, um die Familiensaga der Eitingons aufzurollen. Ebenso harmlos wirkt die autobiographische Grundierung des Textes. Trotzdem zieht sich »Embarrassment« (dt. »Verlegenheit«) - so der Titel des ersten Kapitels und hier nur auf die Gefühle der damals 15-jährigen Autorin bezogen - wie ein unsichtbarer Faden durch das Buch und trägt seltsame Früchte. Schon das nächste Kapitel, das mit einem Museumsbesuch in Mexiko beginnt, zeigt die Tendenz, die Brutalität der Historie mit der Windstille der Gegenwart zu überdecken, Geschichte mit narrativer Virtuosität und viel Reflexion zu neutralisieren. Die Schilderung eines grausamen Mordes beginnt in einem idyllischen Ambiente mit der Beschreibung von zwei Katzen namens Trotsky und Ramón Mercader. Die Erzählung über den realen Mord mit dem Eispickel ist sehr detailliert und von einer szenischen Präsenz, die dem Leser keinen der Schreie des sterbenden Leo Trotzki erspart. Ebenso abgeklärt wirkt das Ende dieses nach Kriminalroman-Art verfassten Kapitels: »His name was Leonid Eitingon. He was a relative of mine.«
Es gehört zu den narrativen Strategien der Autorin, nach der äußerst sachlichen Erzählung über Trotzkis Mord, mit der sie ihren »Willen zur Neutralität« bekundet, erneut geruhsame autobiographische Episoden einzuschalten, womit sie wieder auf eine zivilisierte Ebene ausweicht. Verantwortlich für den hohen Anteil autobiographischer Momente ist außerdem das Fehlen ausreichender und zuverlässig