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Die Geschichte der Psychopathographien ist innerhalb der Psychoanalyse selbst noch nicht geschrieben. Sie müsste die eigentümliche Differenz berücksichtigen, die sich zwischen der Innen- und der Außenperspektive ergibt: Methodisch bewusst und anspruchsvoll denkende Autoren sehen schnell die geringen Erfolgschancen, wenn man eine historische Persönlichkeit gedanklich auf die Couch legen möchte. Psychoanalytiker aber, angefangen mit Freuds Leonardo- und seiner Moses-Studie bis hin zu Mitscherlichs Arbeit über den spanischen König Philipp II., erhoffen sich vertiefte Einsichten in historische Prozesse, wenn sie die klinische Methode auf diese Weise erweitern. Und aus Studien über die Entwicklungen von Therapeuten wissen wir, dass Therapeuten aller Schulen, wenn sie denn älter und hoffentlich weiser geworden sind, sich am Lebensabend gerne mit Biographien historischer Gestalten beschäftigen. Der Zusammenhang zwischen dem gelebten Leben und dem, was die einst Lebenden über ihr Leben gedacht und aus ihrem Leben gemacht haben, muss sich doch irgendwie erschließen lassen. So meint man jedenfalls gerne und drängt seine Skepsis beiseite, die dann von den nicht-psychoanalytischen methodisch Strengen umso prägnanter formuliert wird.
Das Buch von Nemeth entkommt dieser Problemlage nicht, aber es versucht einen Beweis anzutreten, dessen Erfolg nach meiner Meinung geeignet ist, Skepsis gegenüber der methodischen Skepsis zu bewirken. Solange man methodisch global räsoniert, kommt man kaum weiter; lässt man sich aber auf die Details ein, gewinnen die Überlegungen des Autors erheblich an Überzeugungskraft.
Voltaire ist darüber hinaus eine historisch herausragende Gestalt; mehr noch als durch seine Schriften hat er durch die Vielseitigkeit seiner Begabungen, seinen intellektuellen Scharfsinn, seine Gewandtheit und überzeugende Eleganz gewirkt, durch seine Kontakte mit den Führenden der damaligen Welt, mit Katharina der Großen ebenso wie mit dem Großen Preußenkönig. Den hat der selbstb